Fredy Espejo – Vom DJ zum Brand Designer

Fredy Espejo hat es von der Musikszene, wo er unter anderem DJ in der Schweizer Kultband «Subzonic» war, in die Grafik-Welt verschlagen. Heute ist Fredy Partner und Creative Director bei der Zürcher Kreativagentur «Januar Designbüro» und entwirft als Brand Designer Designkonzepte mit einer Neigung zur Perfektion und Reduktion.

Stell Dich bitte in Kürze vor!

Ich bin Fredy Espejo, Partner und Creative Director beim Januar Designbüro – der Zürcher Designagentur mit Fokus auf die Kerngebiete Digital Branding und Webdesign.

Nach der Auflösung unserer Musikband «Subzonic» gründete ich im Jahre 2005 meine erste Designagentur «Gemdesign». Nach acht erfolgreichen Agenturjahren lernte ich meinen Geschäftspartner Emanuel Gürth kennen. Im Jahr 2013 entstand daraus das gemeinsame «Januar Designbüro». 

Was hat es mit dem Namen eurer Designagentur auf sich? Weshalb fiel die Wahl auf den «Januar»?

Neues Design ist immer ein tiefer Wunsch nach Veränderung. Ein eindeutiges Bedürfnis, das Unternehmen oder die Marke schärfer zu positionieren, oder die Chance, eine neue Ära des Unternehmens zu signalisieren. In allen Fällen ist es immer mit einem visionären Vorsatz verbunden: dem Beginn einer neuen und besseren Zukunft.

Der Monat Januar transportiert mit seinen Neujahresvorsätzen die selbe positive Energie, die selbe Vorfreude und die selbe Zuversicht auf einen neuen und aufregenden Zeitabschnitt. Es war dieses Gefühl des «Neubeginns», das uns faszinierte – der Start in eine schönere Zukunft.

Apple oder Android braucht man einen Designer kaum zu fragen. Damit Du dennoch etwas ins Grübeln kommst, eine entweder oder Frage speziell für Dich: Dieter Rams oder Jony Ive? 

Jonathan Ive wurde bei seinen Entwürfen für Apple massgeblich durch Rams‘ Arbeiten und Prinzipien beeinflusst. Das spricht irgendwie für sich. Ich denke jedoch, wenn zwischen zwei Künstlern eine ganze Generation liegt, sollte man diese schlicht nicht vergleichen. Insbesondere wenn es um die Grössten aller Zeiten geht.

Was ebenso eine spannende Frage wäre: Wie hätte die Welt in den 70er-Jahren auf die Apple-Designs von heute reagiert, hätte man Ihnen diese damals gezeigt.

Comic Sans, Papyrus, Arial, Brush Script … : Welche Schrift ist für Dich ein No-Go?

Design hat stets klare Aufgaben zu erfüllen: Die visuelle Übersetzung der formulierten Unternehmensstrategie, die präzise Positionierung des Unternehmens und das Erreichen der definierten Zielgruppen.

Der Einsatz von Typografie ist von entscheidender Bedeutung und eines der stärksten Instrumente, wenn es darum geht, Design und Stil festzulegen. So gesehen kann eine Comic Sans durchaus ein Briefing zielführend erfüllen, wenn es dies erfordert. Ein Markenauftritt einer Kindertagesstätte beispielsweise kann von Natur aus sehr verspielt sein und böte genügend Platz für «infantile» Schriften. Sowohl bei der Entwicklung eines Logos, als auch im Gesamtdesignkonzept. Selbstverständlich aber wäre der Einsatz einer Comic Sans für ein Finanz- oder IT-Unternehmen eher unvorteilhaft. 😉

Welche Herausforderungen sind beim Brand Design durch die digitalen Medien neu entstanden?

Alles findet digital statt: Werbekampagnen auf E-Boards, digitale Geschäftsberichte, online Brand Manuals, E-Commerce, Kommunikation … Durch die sozialen Medien wird auch der zwischenmenschliche Kontakt massgeblich beeinflusst. Für uns bei Januar heisst das, dass auch wir digital denken müssen.

Wenn wir ein Corporate Design für ein Unternehmen entwickeln, denken wir in flexiblen und modularen Designsystemen. Ein Logo muss etwa auch als sehr kleines Mobile-App-Logo gut funktionieren. Bei der Schriftwahl konzentrieren wir uns auf Webfonts mit ausreichend Schriftschnitten. Und durch das zunehmend schnelle Mobilnetz stellen auch Videos mit kleinen Kompressionsraten keine Probleme mehr dar – weshalb Bewegtbilder und 3D-Animationen immer wichtiger werden. Für das Aargauer IT-Unternehmen GIA Informatik konnten wir eine unverkennbare bewegte 3D-Bildwelt entwickeln, die zum wichtigsten Designelement des Unternehmensauftrittes avancierte. Das wäre vor 10 Jahren technisch undenkbar gewesen.

Umgekehrt entwickeln wir Webauftritte immer aus der Branding-Perspektive heraus. Erst das tiefe Verständnis des Markenkerns befähigt uns zur Gestaltung zielgruppenorientierter Webseiten. In der Umsetzung macht das fein orchestrierte Zusammenspiel zwischen Strategie, UI/UX-Design und Technologie aussergewöhnliche Nutzererlebnisse möglich.

Was ist Dein Nummer eins Tipp für gutes Design?

Dieter Rams‘ Zitat «Less but better» bringt es auf den Punkt. Klares und aufgeräumtes Design beruhigt und rückt relevanten Content ungestört in den Fokus. Denn wichtige Botschaften brauchen Platz, um sich zu entfalten – um gelesen zu werden. Die Reduktion auf das Wesentliche setzt sich dabei oft als ausdrucksstärkste und geschmacksvollste Designvariante durch. So wird «Weissraum» zu einer bewussten Designentscheidung. Zu einer Denkweise, einer Haltung, das mit puristischem Design einhergeht.

Zum Abschluss: Angenommen, Du dürftest Dir einen Kunden aussuchen, für welchen Du das gesamte Branding neu machen dürftest: Auf wen würde Deine Wahl fallen?

Eine gute Frage! Lass mich das Thema etwas eingrenzen … Ich bin ein Outdoor-Mensch und liebe die Berge. Sowohl im Sommer beim Wandern, als auch im Winter beim Snowboarden. Deswegen würde ich mich sicherlich für eine Outdoor-Sportmarke entscheiden. Ein Brand, mit welchem ich mich identifizieren kann, einen engen Bezug habe und ich von den Produkten und dem Preis-Leistungs-Verhältnis kompromisslos überzeugt bin. Meine Wahl fiele auf «Jack Wolfskin».

Brennt Dir eine weitere Frage an Fredy auf der Zunge? Dann stell sie jetzt in den Kommentaren!

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