Markus Tschannen – Hobby-Holzfäller und Profi-Papa

Markus Tschannen hat ursprünglich BWL studiert und arbeitet mittlerweile seit 10 Jahren im Bereich der Kommunikation in einer Agentur und betreibt eine eigene kleine Firma, über die er diverse Autorentätigkeiten und Beratungsmandate abwickelt. Bekannt ist der Berner Texter, Autor und Kolumnist aber wohl vielen von Twitter als @souslik.

Seine humoristischen Tweets haben ihm einige Türen geöffnet: So arbeitete er etwa zwischendurch als Gagschreiber fürs Schweizer Radio und Fernsehen. Über Twitter hat er auch seine Frau @coldamber kennengelernt. Die beiden haben zwei Kinder – Beebers (1) und der Brecht (7) – über deren Abenteuer er regelmässig Kolumnen schreibt, welche im Mamablog des Tagesanzeigers, in der Zeitschrift «Eltern», sowie sporadisch in verschiedenen weiteren Heften erscheinen. Themen, die ihm dabei am Herzen liegen, sind die Gleichstellung, die Akzeptanz für eine diverse Gesellschaft und insbesondere die geschlechtsoffene Erziehung. Markus lebt auf einem Bauernhof und sägt in seiner Freizeit Bäume um. Hauptsächlich Fichten, Tannen und Buchen.

Stell dich bitte in Kürze vor!

Eigentlich arbeite ich teilzeit als Berater und Projektleiter im Bereich Unternehmenskommunikation, doch nebenbei wurde ich via Twitter zum Gagschreiber und seit der Geburt meiner Kinder tingle ich mit Elternthemen durch Blogs und Magazine. Manche sagen, ich sei der Nachfolger von Bänz Friedli als Väterkolumnist und Teilzeit-Hausmann der Nation.

Zum Einstieg die altbewährte entweder oder Frage. Was bevorzugst du: Twitter mit einer Zeichenbegrenzung von 140 oder 280 Zeichen?

280, weil manche Themen kürzer nicht vermittelbar sind. Aber die Begrenzung auf 140 Zeichen hatte damals ihre Vorzüge: Sie machte mich zu einem besseren Texter.

Auf Twitter unterhältst du seit 2009 als @souslik regelmässig deine Follower – mittlerweile sind es über 11’000. Gemäss Dictionary ist ein «suslik» ein mitteleurasisches Erdhörnchen von trockenen offenen Gebieten, mit grossen Augen und kleinen Ohren. Woher kommt der Name für dein Alias wirklich und wie wird dieser ausgesprochen?

Die Sousliks heissen zu deutsch Ziesel und ein paar davon leben im Tierpark Dählhölzli in Bern. Tatsächlich habe ich sehr kleine Ohren, aber das ist Zufall. Ich brauchte bei der Anmeldung auf Twitter einen Namen, und habe durchprobiert was noch frei war. Raeudigehyaene123 wäre sicher auch gegangen, aber souslik ist kürzer. Aussprechen tut man es einfach «suslik» – glaube ich.

Was ist Twitter für dich: Hobby, Spielwiese, Personal Branding, Job …?

Spass, Lernplattform und Networking-Tool. Schreibend nutze ich Twitter vor allem aus Jux und Tollerei. Lesend kann man unglaublich viel lernen, wenn man sich in neue Bubbles vorwagt. Und zum Netzwerken ist Twitter bei mir ganz oben, weil ich da neue Menschen über ihre Inhalte und Themen kennenlerne. Auf anderen Plattformen vernetze ich mich ja nur mit Leuten, die mir zuvor schon mal an einem Apéro die letzte Salzstange weggeschnappten. Auf jeden Fall habe ich über Twitter meine Frau kennengelernt, und das ist doch schonmal was.

📸 Die Tweets von @souslik vermitteln oftmals kurze, pointierte Einblicke zum Eltern Dasein.

Als Autor und Kolumnist von verschiedenen Magazinen und Blogs – unter anderem dem Tagesanzeiger Mamablog, als auch auf Twitter – ist die Erziehung eines deiner Hauptthemen. Worüber bloggst du in 20 Jahren, wenn Brecht und Beebers auf eigenen Beinen stehen und etwas weniger Erziehungszeit «beanspruchen»?

In 20 Jahren bin ich grad mit meinem siebten Buch auf Lesetour, und die Leute werden sagen: «Oh Gott, nicht noch mehr Geschichten über Beebers und den Brecht». Vor allem werden Beebers und der Brecht das sagen. Aber die Gefahr ist klein: Ich hab ja noch nicht einmal ein erstes Buch geschrieben.

Hobbymässig drifte ich immer mehr in die Forstwirtschaft ab. Vielleicht blogge ich dereinst über Fichten und Borkenkäfer. Aber zum Glück habe ich keine Ahnung, was ich in 20 Jahren machen oder schreiben werde. Das wäre langweilig. Ich plane mein Leben ja noch nicht einmal in 5-Jahres-Schritten.

Was zeichnet aus deiner Sicht einen guten Text aus?

Ich mag Reportagen – spannend erzählte Einblicke in Welten, mit denen ich mich sonst weniger beschäftige. Bei solch längeren Texten ist vor allem der Aufbau entscheidend. Gute Beispiele findet man von Christof Gertsch im Tagi-Magi.

Textaufbau und lange Texte können andere besser als ich. Meine Stärke liegt eher in unterhaltsamen Kolumnen, wo es auf den kreativen Umgang mit der Sprache ankommt. Güzin Kar und Matto Kämpf sind hier meine Vorbilder. Ein guter Text hat Rhythmus, nimmt überraschende Wendungen und kombiniert Wörter neu. Ganz schlimm finde ich Texte voller Floskeln und sprachlicher Bilder, die ich schon 500-mal gelesen habe.

Wegen welchem Autor oder Text hast du zuletzt Tränen gelacht?

Kürzlich habe ich über einen Text von mir selbst gelacht. Ok, das macht mich nicht gerade sympathisch. Zur Erklärung: So funktioniert meine Qualitätskontrolle. Ich lese alte Texte von mir ein paar Monate nach der Publikation noch einmal – wenn ich den Inhalt längst vergessen habe. Bringen sie mich zum lachen, bin ich zufrieden.

Ansonsten erinnere ich mich an einen schon sechsjährigen Mamablog-Beitrag von Nadia Meier über verschiedene Znüni-Elterntypen. Das Kind, das mangels ausgewogenem Znüni beim Basteln danebenleimen könnte, brachte mich so sehr zum lachen, dass mir schier die Hirnschlagader platzte. Manchmal gibt es so Sätze, die treffen perfekt den eigenen Humor. Bei lustigen Tweets erlebe ich das oft und deshalb fühle ich mich auf Twitter nach 12 Jahren immer noch sehr wohl.

Brennt dir eine weitere Frage an Markus auf der Zunge? Dann stell sie jetzt in den Kommentaren!

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